Cover 2/08

FineArtPrinter

 

Roberto Casavecchia in Ausgabe 2/05 von FineArtPrinter

RAW-Files ultimativ schärfen

Auf die Verarbeitung der Bilddaten kommt es letztlich an. Roberto Casavecchia zeigt Ihnen, wie Sie die RAW-Daten Ihrer digitalen Spiegelreflexkamera perfekt verarbeiten und so die analoge Kamera endgültig überflüssig machen

Nicht die Kamera macht den Fotografen, sondern der Umgang mit den Motiven und den Bilddaten entscheidet letztlich über den Erfolg. Und so ist es auch bei der Diskussion darüber, ob nun das analoge Bild besser als das digitale sei. Wir haben als Vergleich Bilder mit einer digitalen Canon EOS 1D Mk II und einer analogen EOS 1 N geschossen. Die analogen Bilder wurden mit Fujichrome Provia 100F (sehr feinkörniger Diafilm) aufgenommen und anschließend mit einem Nikon-Filmscanner Coolscan 5000 ED eingelesen und optimal verarbeitet. Die digitalen Bilder wurden im RAW-Modus erzielt, dann mit CaptureOne umgewandelt und mit dem USM-Filter leicht nachgeschärft. Über ein spezielles RIP wurden die Bilder schließlich auf einem Epson-Stylus-Photo-2100-Printer im Format 24 x 36 cm auf hochwertigem Fine-Art-Papier gedruckt. Resultat: Die meisten Befragten fanden das digitale Bild besser und waren verblüfft. Einzig ein paar ganz wenige Profis bemängelten den Mangel an feinen Strukturen, z. B. an Hausfassaden, Straßenpflaster oder Holzoberflächen. Das digitale Bild erschien Ihnen irgendwie zu »glatt« und zu wenig strukturiert. Tatsächlich ist dieser Mangel an feinen Strukturen oder besser gesagt an »Mikrodetails« typisch für digitale Bilder. Ist also das analoge Bild immer noch besser?

Chip versus Film

Ein wesentlicher Unterschied zwischen digitaler und analoger Fotografie ist die Art der Bildspeicherung. Eine analoge SLR speichert das Bild direkt auf Filmmaterial, die digitale Kamera fängt das Bild zuerst im Sensor ein und schickt es nachträglich an die interne CPU, den Rechenchip der Kamera, wo es bearbeitet, umgewandelt und anschließend auf einen Festspeicher abgelegt wird. Und genau diese kamerainterne Bearbeitung des digitalen Bild entscheidet über die endgültige Qualität der Aufnahme. Rausch­unterdrückungs-Algorithmen und Bild-Kompressionsverfahren haben ihrerseits Einfluss auf das Endergebnis und beseitigen dabei oft feinste Strukturen. Unser Ziel ist es nun, genau diese Mikrostrukturen nicht zu unterdrücken sondern zu verstärken, ohne im Gegenzug unerwünschtes Bildrauschen und sonstige Artefakte zu verstärken.

Optimale Grundeinstellungen für die digitale SLR

Um ein möglichst optimales »digitales Negativ« zu erhalten sollten wir auf eine Kamerainterne Bearbeitung verzichten. Alle digitalen SLR bieten einen RAW-Modus an, wo der Rechenchip wenig bis gar nicht in die Bildumwandlung eingreift. Die Bilder werden im 16-bit-Modus und verlustfrei in einem eigenen Datenformat abgespeichert. Allerdings steigt die Dateigröße z. T. erheblich an und die Bildfolgezeiten reduzieren sich. Dieses Manko ist jedoch höchstens für Sport- und Action-Fotografen von Bedeutung. Um diese Bilder zu öffnen braucht es eine zusätzliche Software. Wir verwenden für die RAW-Konvertierung CaptureOne, aktuelle Version 3.7, von PhaseOne (www.phaseone.com), das mit ausgefeilten Algoritmen eine professionelle und korrekte RAW-Daten Umwandlung garantiert. Für unser spezielles Action-Script, stellen wir die USM-Parameter von CaptureOne auf »inaktiv«. Denn hier gilt die alte Grundregel: Schärfen Sie ein Bild niemals mehrere Male.

Damit haben wir alle Möglichkeiten geschaffen für die nachträgliche Bearbeitung in Adobe Photoshop. Der Klassiker der Bildbearbeitung ist mittlerweile in der Version CS erhältlich und das bevorzugte Tool bei Fotografen und in der Druckvorstufe. In der jetzigen, aktuellen Version haben wir die Möglichkeit praktisch alle Veränderungen im 16-bit-Modus vorzunehmen. Das erleichtert erheblich den Workflow und bietet erst noch bessere Ergebnisse.

Der Workflow mit Photoshop

Für den digitalen Workflow haben wir in Photoshop die Möglichkeit »Aktionen oder Scripts« zu verfassen, die in einer bestimmten Reihenfolge ablaufende Handlungen automatisieren und somit vereinfachen. Wir haben aber auch die Möglichkeit manuell einzugreifen und die Einstellungen während einem Ablauf nach Belieben zu verändern. Somit kann jedes Bild individuell dem Workflow angepasst werden. Jeder der schon Bilder digital bearbeitet hat, weiß, dass man meistens an der Farbbalance, am Kontrast und am Tonwertumfang Korrekturen anbringen muss um eine korrekte Wiedergabe zu erzielen. Dazu gehört natürlich auch das nachträgliche »Schärfen« einer Aufnahme, das meistens durch den USM-Filer »Unscharf Maskieren« erfolgt. Die Anwendung dieses Filters ist allerdings nicht ganz unproblematisch, da dieser auf das gesamte Bild und mit der gleichen Intensität seine Wirkung ausübt. Somit werden
z. B. helle und dunkle Bereiche gleichermaßen geschärft, bereits scharfe Kanten überschärft und vorhandenes Bildrauschen in dunklen Bereichen verstärkt. Man müsste eigentlich einen intelligenten USM-Filter haben, der die mittleren Tonwerte, die für den Schärfeeindruck eines Bildes wichtig sind, verstärkt und gleichzeitig dunkle Schattenbereiche und helle Stellen sowie die Hell-Dunkelübergänge scharfer Kanten wenig bis gar nicht schärft.

So wird nntelligent geschärft

Unser Ziel war es, für die Leser von FineArtPrinter ein Script zu erstellen, das ebenso für 100 ASA wie für 1600 ASA anwendbar ist. Es sollten also nur Kanten und Mikrostrukturen geschärft werden, nicht aber das Bildrauschen. Denn leider wird beim Schärfen meist das Bildrauschen verstärkt, das z. B. bei digitalen Aufnahmen mit hoher Empfindlichkeit wie 1600 ASA wesentlich stärker vorhanden ist als bei geringer Empfindlichkeit. Nachfolgend erklären wir wie das Script funktioniert und was mit den Daten geschieht. Sie können das Action-Script auf unserer Site kostenlos für folgende digitale Kameras kostenlos herunterladen:

• Nikon D1X,

• Nikon D2H,

• Nikon D70 und

• Nikon D100,

• Canon EOS 1D MK2

• Canon EOS 1Ds und

• Canon D20 sowie

• Olympus E1 und

• Olympus C-8080.

Bitte beachten Sie, dass die Scripts nur wenige KByte Volumen haben, deshalb kommt es oft beim Download zu Irritationen.

So geht’s:

1) Ausgangsbasis ist ein 16-bit-RAW-File: Die Kontrastkurve, mit Helligkeitswerten von 0 bis 255, wird leicht S-förmig gebogen. Das erhöht den Kontrast in den Mitteltönen und lässt die dunklen und hellen Bereiche praktisch unverändert. Dies ist notwendig, da wir bei den Kamera-Einstellungen den Kontrast sehr niedrig gehalten haben. Anschließend wird das Histogramm mittels Tonwertkorrektur geprüft und wenn nötig angepasst. Am Schluss prüfen wir noch die Color-Balance im Bild und eliminieren damit unerwünschte Farbverschiebungen. Vorsichtig! Schon kleine Werte genügen um eine Farbverschiebung auszugleichen.

2) Wir wechseln in den LAB-Modus und wählen den Lab-Kanal, der alle Helligkeitswerte beinhaltet. Hier wenden wir eine S-förmige Kontrastkurve an und kopieren diesen in die Zwischenablage. In unserem Script gehen wir jetzt drei Schritte zurück um wieder in den RGB-Modus zurückzukehren. Wichtig! Stets im gleichen Farbraum arbeiten, Umwandlungen vermeiden, da diese den Farbraum beschneiden und zu unerwünschten Posterize-Effekten führen.

3) Wenn wir Photoshop 7.0 oder älter verwenden müssen wir jetzt in den 8-bit Modus umschalten um den vorher kopierten Kanal verwenden zu können. Photoshop CS hingegen erlaubt uns immer im 16-bit Modus zu arbeiten. In der Palette »Kanäle« fügen wir zwei leere Alphakanäle ein und kopieren in diesen den Lab-Kanal aus der Zwischenablage. Der erste der beiden Alpha-Kanäle wird invertiert, d. h. wir erstellen einen Negativ- und einen Positiv-Kanal. Für weichere Übergänge werden beide Alpha-Kanäle mit dem Gausschen-Weichzeichner etwas entschärft.

4) Der erste, negative Kanal maskiert nun hauptsächlich alle hellen Bereiche und der zweite, positive Kanal alle dunklen Bereiche. Wir aktivieren den ersten Alpha-Kanal und anschliessend aktivieren wir den zweiten Kanal mit der Funktion Auswahlschnittmenge erstellen. Das Resultat ist eine Auswahl der mittleren Tonbereiche, die dunkle und helle Bereiche viel weniger beeinflusst.

5) Nun wenden wir den USM-Filter (Unscharf-Maskieren) mit der aktiven Auswahl auf den RGB-Kanal an. Die Einstellungen z. B. von der Stärke 250 %, Radius 0,8 Pixel und Schwellenwert 2, sind für die Canon EOS 1D Mk II bei der Einstellung von 200 ASA optimiert und für die Ausgabe auf hochaufösenden Inkjet-Printern gedacht. Bei Kameras mit abweichenden Werten werden nur geringe Änderungen im USM-Filter vorgenommen. Am Ende werden noch die zwei Alpha-Kanäle gelöscht und fertig ist der Workflow. Sie haben nun ein optimal geschärftes Bild ohne Artefakte oder Überstrahlungen an harten Kanten.

Der Gewinn an Mikrostrukturen wird mit bloßem Auge erkennbar und Sie werden Ihre analoge Kamera zum Nostalgie-Objekt verkommen lassen. Für die absoluten Schärfefanatiker sei vorweggenommen, dass der USM-Filter mit 500% eine mehr als sinnvolle Begrenzung aufweist, allerdings kann man durch die Erhöhung des Radius noch genug Schaden anrichten.

Download der Scripts für (SIt.-Archive für Mac-User / ZIP für PC User)

Canon (SharpCanon.sit)  

Canon (SharpCanon.zip)

 

Nikon (SharpNikon.sit)

Nikon (SharpNikon.zip)

 

Olympus (SharpOlympus.sit)

Olympus (SharpOlympus.zip)

Hinweis: Die Dateien sind winzig, dennoch gepackt, damit die Scripts als Original-Datei mit der Endung .atn auf Ihrer Platte gesichert werden können. Ungepackt entsteht die Gefahr, daß sich die Datei als .txt zeigt. Legen Sie nach dem Download das für ihre Kamera geeignete Script in den Ordner
"AdobePhotoshop CS/Vorgaben/Photoshop-Aktionen"

Nach Programmstart steht Ihnen das Script im Aktionen-Fenster zur Verfügung. Viel Erfolg!

   

Theorie & Praxis

Drei Wege führen vom Monitorbild zum farbrichtigen Druck. Der einfachste geht über adäquate Einstellungen im Druckermenue. Der zweite sieht die Einbindung des vom Papierhersteller bereit gestellten Profils vor und der Dritte ist das individuell erstellte Profil. Klar - sollen die Drucke verkauft werden, müssen Input (Datei) und Output (Druck) perfekt überein stimmen. Geht es jedoch um freie Arbeiten, reichen häufig Weg „1“ oder „2“. Bekanntlich ist Colormanagement nur dann konsequent, wenn die Drucke abschließend bei Normlicht betrachtet werden. Bevor Sie also nicht drucken, nur weil Ihnen ein Profil fehlt, sollten Sie Weg 1 in Erwägung ziehen, denn zwischen Theorie und Praxis liegen viele Ungereimtheiten.
Ihr
Hermann Will
Chefredakteur FineArtPrinter

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